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Edition 1987 – Stefan Kauffungen
Der Zürcher Stefan Kauffungen, geboren 1953, ist seit einigen Jahren als freier Künstler tätig, auf der Suche, «hinter das Geheimnis des Bildes zu sehen», wie er seine Arbeit beschreibt. Er möchte, «Objekte darstellen, dass sie nicht eigentlich im Vordergrund stehen, sondern dass der Betrachter sie eher ahnt, als sie sieht» . Das führte ihn zur Abstraktion, zum Weglassen von Unwesentlichem.

Im völlig freien Auftrag der Edition Heads hat Stefan Kauffungen die vierfarbige Kaltnadelradierung realisiert. Beim Arbeiten mit der Kaltnadel muss man Kraft anwenden – geistig und körperlich arbeiten zugleich», sagt er. Gedruckt wurde das Werk auf der Handpresse von Armando Martini in Thiene (Italien). Dessen Markenzeichen ist der «Torchio Thiene», ein bei vielen anspruchsvollen Künstlern und Kunstliebhabern gleichermassen geschätztes Qualitätssiegel für Originalkunstdrucke, die noch in traditioneller Manufaktur hergestellt werden.
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Edition 1988 – Peter Baviera
Peter Baviera, geboren 1947, will mit seiner Kunst keine persönlichen Geschichten erzählen oder gesellschaftliche Botschaften darstellen. Er beruft sich auf die Forderung Cézannes, wonach ein Kunstwerk von der Biografie des Künstlers losgelöst sein müsse.

Der in Zürich lebende Baviera ist ein analytischer Geist. Ihn interessiert besonders die empirische Analyse des Entstehungsprozesses von Kunst. In seinen Zyklen «Wenn Farbe Materie wird» und «Die Schöpfung» beschäftigte er sich jahrelang damit. «Die Idee und der Prozess ihrer Verwirklichung», sagt Baviera, «ist mir wichtiger als das Resultat selbst». Seine Idee für die Edition Heads bestand darin, einhundertfünf Unikate eines Bildes seriell herzustellen. Den scheinbaren Widerspruch, den diese Idee in sich hat, durch einen analytisch durchdachten Herstellungsprozess aufzulösen – darin bestand für Peter Baviera die künstlerische Herausforderung.

Idee und Verwirklichung des Werks teilen sich in drei Phasen: Zuerst tüftelte Baviera das aus, was er «Farbstrasse» nennt. Er erfand 'Maschinen' und zeichnete Pläne. In einer zweiten Phase zimmerte er eigenhändig die entwickelten 'Maschinen'. Und die dritte Phase fand am Dienstag, dem 2. Dezember 1987, in einer ausgeräumten Halle des alten Gaswerks in Schlieren statt: Peter Baviera richtete seine «Farbstrasse» ein und nahm sie in Betrieb.

Am ersten Werkplatz erhielt jede Leinwand 'automatisch' ihren Blau-Auftrag. Die zweite 'Maschine' warf in kalkulierter Zufälligkeit gelbe Tupfer auf das Blau. An der letzten Station wurde Schwarz angebracht. Jedes der Bilder durchlief diese nahezu industrielle Fertigung, und gleichwohl hat jedes seinen ganz individuellen Ausdruck. «Bavieras Farbstrasse» ist jedoch weder als 'Performance' zu verstehen noch als 'Installation'. Die Fertigung fand unter Ausschluss von Publikum statt. Die 'Maschinen' wurden nach dem letzten Bild abgebaut und zerstört. Einzig die Werkaufnahmen des Fotografen Christian Küenzi dokumentieren den Verwirklichungsprozess der Idee. Was vom Kunstwerk blieb, sind die Bilder – das Bild, einhundertmal das gleiche, das dennoch nicht genau das gleiche darstellt.

Was stellt es denn dar? Der Betrachter darf sehen, was er mag. Am naheliegendsten jedoch ist eine Landschaft, denn durch die Farbgebung hat der Künstler eine solche bewusst intendiert. Aber nicht das Bild ist das Wichtigste an diesem Kunstwerk von Peter Baviera. Das Wichtigste sind die Idee und der Verwirklichungsprozess, die zu diesem Bild geführt haben.
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Edition 1989 – Jan Dudesek
Jan Dudesek ist Bildhauer und Eisenplastiker. Er wurde 1946 in Pardubice (Böhmen) geboren und emigrierte 1968 in die Schweiz. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

In den letzten Jahren setzte sich Dudesek künstlerisch intensiv mit der Schwere auseinander, mit deren physikalischen Gegebenheiten und mit der Tatsache, dass sie durch menschliches Eingreifen (zeitweise) überwunden werden kann. Das Spiel mit dem Schweren, das seine ursprüngliche Ruheposition immer wieder einzunehmen trachtet, erforscht Dudesek mit einfachen, aber raffiniert konstruierten kinetischen Objekten, die nicht nur mit überraschendem Schalk aufwarten, sondern auch mit philosophischem Hintersinn, was schon im mehrdeutigen Namen anklingt, den er für diese Werkserie prägte: «Echoes of Gravity».

Auf das Objekt «Time is not on your side» ist Jan Dudesek gekommen, weil ihm sowohl die Phänomene des klingenden Amboss’ wie der Gitarre vertraut sind: Das Schwingungsvermögen der gespannten Saite und die Schwere des Aluminiumstabs führen einen kinetischen Dialog. Nach jedem Eingriff des Menschen läuft dieser Prozess scheinbar zufällig ab; in Wirklichkeit jedoch sind komplizierte naturgesetzliche Kräfte im Spiel, auf die kein Einfluss zu nehmen ist.

Der Betrachter, dessen Auge und Ohr mit spannungsvollen Phasen von Ungleichgewicht und Labilität belohnt wird, kann für einen Augenblick im Geschehen die flüchtige Spur seines eingreifenden Handelns erkennen, die sich allerdings vollständig verliert, sobald die Materialien wieder ausschliesslich von der Gravitation beherrscht werden, einer Kraft, der sie wie alles Materielle letztlich unterworfen sind, aber auch wir, wenn wir etwas dagegen zu unternehmen versuchen - denn, wie der Titel in Erinnerung ruft: «Time is not on your side».
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Edition 1990 – Rut Himmelsbach
Rut Himmelsbach, 1950 in Zug geboren, zeigt seit 1979 ihre Werke regelmässig in Einzel- und Gruppenausstellungen an bedeutenden in- und ausländischen Plätzen. 1990 wurde sie an «The Biennale of Sidney» eingeladen.

Die Künstlerin kommt von Ausbildung und Tätigkeit aus der Fotografie. Fotografische Elemente finden sich denn auch in fast allen ihren Werken. Im Laufe der künstlerischen Entwicklung sind die Fotoelemente in Rut Himmelsbachs Werken fragmentarischer geworden und stärker eingebunden in einen Gesamtausdruck, der die Möglichkeiten des einzelnen fotografischen Abbilds durchbricht.

So entstehen komplexe Darstellungen, in denen verschiedene Material- und Aussageebenen einander überlagern. Die Künstlerin verwebt Fundstücke, die aus Mustern und Chiffren bestehen, aber auch aus eigenen Fotos oder aktuellen Bildinhalten der Medien – Bruchstücken der Wirklichkeit – zu neuen Inhalten von ornamentaler Zeitlosigkeit.

Die solcherart verschlungenen Anordnungen entziehen sich dem Zugriff schnellen Verstehenwollens. Rut Himmelsbach legt weder plakativ ihre Meinungen vor, noch will sie belehren oder provozieren. «Ich will, dass es den Menschen gut geht, während sie mein Werk betrachten», sagt sie, «dass es sie einfängt und bezaubert». Einen Schlüssel zur besseren Vertiefung beim Betrachten von «Gewand der Zeit» gibt sie jedoch preis, es ist ein Spruch von Laotse: «Der Zwischenraum zwischen Himmel und Erde ist wie eine Flöte – leer und fällt doch nicht zusammen.»
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Edition 1991 – Peter Panyoczki
Peter Panyoczki wurde 1953 in Budapest geboren. 1957 emigrieren seine Eltern mit ihm in die Schweiz. Nach der Mittelschule studiert er in Zürich Germanistik und Kunstgeschichte und schliesst mit dem Lizentiat ab.

Er geht 1979 als Universitätsassistent in die USA. 1980 verfilmt er die Beckett-Erzählung «First Love» (Drehbuch und Regie). Studienaufenthalte führen ihn nach Rotterdam, Florenz, Wien, Barcelona, Neuseeland.

Seit 1979 zeigt Peter Panyoczki seine Werke regelmässig in Galerien des In- und Auslands. Er versucht mit seiner Kunst «in den Zustand eines vorsprachlichen Bewusstseins» zurückzukehren, eine «Synthese von Sehen und Denken» herzustellen. Das Ergebnis sind vielschichtige Malereien und Objekte: Das Archaische ihrer Dringlichkeit – Sand, Asche, Farbpigment, Leim, Holz, Stein und Metall sind Panyoczkis bevorzugte Materialien – vermählt sich mit den Gedanken zu Zeichen der Zeit, des Seins und des Bewusstseins.

Für Peter Panyoczki sind Hannibal und dessen Zug von Spanien über die Alpen nach Italien ein Anlass – nicht das Thema selbst. Dieses erschliesst sich erst im Untertitel: Vanitas, ein Schlüsselbegriff aus der Welt des Barocks, die uns heute wieder so nahe scheint, mahnt die Vergänglichkeit an, die von Anfang weg unser Tun begleitet. Ihr Kontrapunkt ist die Beständigkeit, Constantia.

Aus dieser Perspektive ist Hannibals Gewaltsmarsch dann doch kein zufälliger Anlass. Was hat der Karthager nicht unternommen! Wie gefürchtet, geachtet und gerühmt wurde er zu seiner Zeit! Was ist geblieben? Die Berge, an denen Hannibal, seine Tausende von Kriegern und Dutzende von Elefanten sich fast aufrieben, sind noch immer da, doch Karthago ist nunmehr eine Ruine.

Peter Panyoczki hat sich auch vom Mythisch-Magischen anziehen lassen, das eine Figur wie Hannibal umgibt und das die Künstlerreise in umgekehrter Richtung zu einem besonderen Ritual werden liess. Der Künstler – auf dem Motorrad reitend, erd- und weltverbunden, dennoch fast ein Geschoss – pflügt wie ein Periskop durch das Meer der Zeit, in dem sich inzwischen die Sedimente von mehr als 2200 weiteren Jahren abgelagert haben.

Die Zeichen, die Peter Panyoczki auf dieser Reise setzte, sprechen ihre je eigene Sprache: Stahl und Blei, Symbol des Krieges das eine, Symbol der Zeit das andere, beide von relativer Beständigkeit, denn Oxydation setzt auch ihnen zu: Papier, die Zeit und die Geschichte zusammenführend, doch ausgeliefert der Vergänglichkeit.
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www.panyoczki.ch
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Edition 1992 – Ursula Herber
Ursula Herber wurde 1955 geboren. Nach der Kunstgewerbeschule Zürich (heute Schule für Gestaltung) führten sie Reisen in verschiedene Länder, u.a. nach Mexiko, Indien, Italien und Irland. Besonders angezogen wurde sie von versunkenen Hochkulturen. So befasste sie sich in Irland mit dem keltischen Erbe, in Italien mit den Überresten der Etrusker und der griechisch-römischen Kultur.

Seit 1980 zeigt sie ihre Werke in Gruppen- und Einzelausstellungen in der Schweiz und in Deutschland. Sie wurde bekannt als Schöpferin eigenwilliger Skulpturen aus Papier, in denen sie den Gebrauchswerkstoff – meist gepresste EDV-Endlospapiere – in völlig verfremdeter Form für Dreidimensionales einsetzt.

In jüngster Zeit hat es Ursula Herber ein anderer Gebrauchswerkstoff angetan: mit Dispersionspulver vergüteter Feinmörtel, wie ihn Bauleute verwenden. Fachgerecht mischt sie ihn an, durchsetzt ihn mit Farbpigmenten und giesst ihn in Formen, wo er erstarrt. Das Ergebnis sind wie zufällig wirkende, scheinbar organisch gewachsene, archaisch anmutende, schwere, betonharte Gebilde, die jedoch nichts anderes darstellen wollen als sich selbst. Die in-sich-geschlossenen Formen sind so perfekt gestaltet, dass sie eigene, unzugängliche Inhalte zu transportieren scheinen. Sie erinnern an ins Riesenhafte vergrösserte einzellige Lebewesen oder an Kultur-Fundstücke einer uns fernen, aber vertraut erscheinenden Welt. In Wahrheit sind es erdachte, raffiniert durchkonstruierte Objekte, die den Betrachter überzeugend «an etwas erinnern, das es möglicherweise gar nicht gibt», wie es die Künstlerin selbst umschreibt.


Ein solches Betongebilde hat Ursula Herber eigens von Grund auf als Vorlage ihrer Radierung für die Edition HSB entwickelt, in eine Silikonform gegossen, dann die Form und die subtilen Oberflächeneindrücke des entstandenen Objekts in aufwendiger Ätz- und Kaltnadel-Technik auf die Kupferdruckplatte übertragen. Erinnerung an eine Erinnerung...
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Edition 1993 – Silvio R. Baviera
Silvio R. Baviera wurde am 8. August 1944 in Zürich geboren. «Ich war niemandes Stolz, aber auch niemandes Scham», wie er in einem biografischen Text selbst schreibt, in dem es weiter heisst: «Meine Mutter und mein Vater, beide schöpferisch begabt, aber voller existentieller Gegensätze und verschwägert mit deren Ängsten, erzogen uns in einem vorurteilslosen Klima».

Baviera ist ein 'Alt-68er' und – was bei diesen selten geworden ist – bekennt sich noch heute zu den Idealen und zum Aufbruch jener bewegten Zeit. «Ich war immer ein Oppositioneller», sagt er, ohne Konfessions- und Parteizugehörigkeit, ein Existentialist, beeinflusst von Jean-Paul Sartre natürlich, aber weit stärker noch vom weniger populären Romain Rolland (Literaturnobelpreisträger 1915), dem frühen Europäer und Kosmopolit.

Unter dem Pseudonym Hans Anders – ein ganz gewöhnlicher Hans, der ganz anders ist – beginnt Baviera schon 1967, sich systematisch einzumischen. Er schreibt Kolumnen, Texte, Gedichte. Das «Vermächtnis von Hans Anders», vereinigt 60 Baviera-Gedichte von damals, die das kulturelle und politische Klima der Vor-, Während- und Nach-68er-Zeit prägnant einfangen und trotzdem ganz frisch daherkommen.

'Recht' und 'Macht' sind die wichtigsten Schlüsselwörter im Denken und Schaffen von Silvio R. Baviera – damals wie heute. Er empfindet die gegenseitige Abhängigkeit von passiv wirkendem Recht und aktiv eingreifender Macht als Hauptregulativ des menschlichen Daseins und Zusammenlebens. Deshalb beschäftigt ihn das Wortpaar, das sich schon in seinen frühesten Texten findet, wie kein zweites. Die folgenden beiden Beispiele, das erste von 1987, das zweite von 1990, illustrieren, welche Dringlichkeit das Thema für Baviera hat:

Recht Macht
macht Recht
recht Macht
macht recht
Macht Recht
recht Macht
macht Recht
recht macht

Rand
Ekel
Charakter
Handel
Tat

Mensch
Achtung
Charisma
Habe
Trieb

Wörter sind Zeichen, und als Zeichen werden sie oft besser erkannt, wenn sie bildhaft erscheinen. Im Laufe der Zeit ist Silvio R. Baviera dazu übergegangen, seine Wortzeichen auch bildhaft umzusetzen, mit der räumlichen zugleich die innere Beziehung sichtbar zu machen. Die Betrachter sind herausgefordert, die Schrift an der Wand lässt sich nicht einfach überlesen...
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Edition 1994 – Gregor Lanz
Gregor Lanz wurde 1962 in Zürich geboren, besuchte den Vorkurs der Kunstgewerbeschule Zürich (heute Schule für Gestaltung) und zeigte sein Schaffen bisher an verschiedenen Einzelausstellungen in Zürich, St. Gallen, Lausanne und Basel sowie an mehreren Gruppenausstellungen. Er lebt und arbeitet in Zürich.

Gregor Lanz bringt einfache, oft wiederkehrende Motive in seine Bilder ein: Tiere (Kuh, Hund, Esel), Menschen, Hüte, Papier, Stoff, Glocken. Er verwendet diese Motive, weil er von irgend etwas an ihnen immer wieder neu angezogen wird, weil ihre sinnliche Seite ihn fasziniert:

Die Kuh, die vor dem Fressen fast rituell mit dem Maul das duftende Grasbüschel schüttelt oder spielerisch ihren Rücken damit bewirft. Der mit steil nach oben gerichteter Nase schnuppernde und dadurch gleichsam erkennende Hund. Das Rascheln von Papier, dessen akustische Qualität – oft verkannt – sich offenbart. Ein Tuch, dem vom ständigen Gebrauch jemandes Geruch eingeschrieben ist. Glocken, die ihre Umgebung in Schwingung versetzen. Oder Nebel, der eine Szenerie wie schützend in einen Mantel hüllt.

Es sind solche Puzzle-Steine und Fragmente, die Gregor Lanz aus ihrem ursprünglichen Kontext hebt und virtuos zu neuen Welten zusammenbaut. Selbsterfahrenes fliesst ebenso ein wie aktuell Gehörtes, Gelesenes, auch Bildzitate von Künstlern, deren Werke er ausgiebig studiert. Es entsteht ein Inventar möglicher Lebensräume, Wunschräume einer neu gefügten Wirklichkeit. Scheinbar klar zuzuordnende Motive tauchen in unerwarteten Zusammenhängen auf – bleiben gelegentlich auch im Diffusen: ist es Stoff oder Papier, Gras oder Haar, Mensch oder Maske, Milch oder Wasser? «Die Betrachter sollen die Magie des Bildes auf sich wirken lassen», meint Gregor Lanz, und ist es nicht diffus genug, fügt er dem Bild verhüllenden Nebel hinzu.

Gregor Lanz will keine idealisierten Welten entwerfen, sondern Aufmerksamkeit schaffen für eine volle sinnliche Erfahrung der uns umgebenden Wirklichkeit. Das Visuelle als Anreiz zu vertieftem Schauen, zum Hinhören, zum Riechen, zum Schmecken – zur Wiederentdeckung der Ganzheitlichkeit von Lebewesen und Dingen.
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Edition 1995 – Adrian Schiess
Der 1959 in Zürich geborene Adrian Schiess ist kein Unbekannter. Seit 1981 hat er sein Schaffen an mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen in Galerien und Kunsthäusern des In- und Auslands gezeigt. Unter anderem wurde er 1992 an die «documenta» in Kassel eingeladen.

Adrian Schiess arbeitet mit Vorgefundenem, mit dem, was sich anbietet. Im Werktypus «Flache Arbeiten» waren das Spanplatten, auf die er glänzenden Autolack aufgetragen hat. Der Typus «Fetzen» andererseits besteht aus eigenem Fundus ausgegrabenen, bereits früher bemalten Papier- und Kartonflächen, die Schiess in scheinbar willkürliche Stücke gerissen und danach erneut bemalt hat, um sie auf neue Art wiederzubeleben.

Für die Edition Heads griff Adrian Schiess jetzt auf ein noch grösseres Arsenal zurück: auf gedruckte Bilder, die für Werbe- oder andere Zwecke in Zeitschriften-Magazinen erschienen sind. Er zerlegt sie in ein wiederum nur scheinbar willkürliches «Fragment» und führt dieses, mittels massstäblicher lithografischer Rückvergrösserung, auf die Originalgrösse des ausschnittweise gezeigten Objekts zurück. Ein solches «Fragment» erschliesst uns die ihm zugrundeliegende Realität, wie wir sie – gerade in der Bilderflut unserer Zeit – zu kennen glauben, ganz neu, ganz anders.

Adrian Schiess erinnert an den Ausspruch von Albrecht Dürer: «Die Kunst liegt in der Natur.Wer sie herausreissen kann, der hat sie.» Aber was ist diese , was ist Welt, was Realität? Diese Grundfragen treiben Adrian Schiess um. Denn Bilder, ob fotografiert oder gemalt, zeigen nur den Schein einer Realität. Er selbst hat nie das Bedürfnis verspürt, Bilder zu malen, eher schon fast Abscheu davor, wie er einmal bekannte. Es gebe schon zu viele davon, und ausserdem habe er nichts zu erzählen. Lieber verbündet er sich mit dem Zufall oder mit einer Tageslaune und führt ohne lautes Spektakel und ohne heraufbeschworene Dramatik – beides ist ihm ein Greuel – schlicht und einfach vor, was er vorgefunden und hergerichtet hat: ein Fragment der Wirklichkeit, gewissermassen einen visuellen Untersuchungsbericht über den ursprünglich zugrundeliegenden Realitätsschein des Bildes, dem das Stück entstammt.
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Edition 1996 – Romuald Etter
Romuald Etter, geboren 1959 und wohnhaft im luzernischen Altwis, zeigte sein Schaffen seit 1985 bereits an verschiedenen Ausstellungen, unter anderem in Basel, Biel, Luzern, Zug und Zürich. 1995 hat ihm der Kanton Zug ein Werkjahr zugesprochen. Romuald Etter lehrt an der Kantonsschule Hochdorf und ist in der Ausbildung der Luzerner Gestaltungsschule «Farbmühle» tätig.

«Kunst lässt sich bis zu einem gewissen Mass begrifflich-sprachlich nachvollziehen, doch jenseits davon gibt es einen ganzen Bereich, der sich nicht mehr in Worte fassen lässt», sagt Romuald Etter, «dort setzt die Kunst mit ihrer eigenen Sprache ein».

Etters Sprache arbeitet mit scheinbar Vertrautem. Er benutzt gern banale Gegenstände und Materialien, oft abgelegte und zum Wegwerfen bestimmte oder sonstwie nicht mehr gebrauchte: Verpackungs- und Verkleidungsbleche, benutzte Stoffe, durchgelegene Matratzen, Autoscheiben oder eben Scheiben aus Fensterglas. Doch mit wenigen gezielten Eingriffen oder Akzentsetzungen wandelt er das vertraut Erscheinende radikal um, benutzt es als neues Alphabet seiner künstlerischen Sprache und setzt damit verschlungene Aussagen frei, die verblüffen oder irritieren oder beides.

Glasscheiben, wie sie sich Romuald Etter für diese Edition dienstbar gemacht hat, faszinieren ihn wegen ihrer Transparenz, die sich unterbrechen oder/und kumulieren lässt. So können ganz neue Durchblicke entstehen – im wahrsten Sinn des Wortes – andere Durchsichten als die gewohnten, Einsichten womöglich. Auf den drei Scheiben, die sich in festgelegter Sukzession folgen, materialisiert er mit den sparsamen Mitteln von Glasätzung und -aufdruck eine gesteigerte Form von Kommunikation: nicht bloss vernetzt – woran wir uns in multimedialer Welt ja schon fast gewöhnt haben – sondern mit der unmittelbaren Präsenz aller vernetzten Inhalte zugleich. Unser Hirn, von dieser ungewohnten multivisuellen Wahrnehmung bereits stark gefordert, gerät über dem von Etter gesetzten Themenbogen erst recht ins Oszillieren; dessen Gleichzeitigkeits-Klammer greift nämlich weit aus und bringt kopflastige Metaphern der wissenschaftlich-technischen Welt mit der Symbolik archaischer menschlicher Rituale zusammen, setzt sie in Dialog – und zwar auf einen Schlag, vielmehr: auf einen Blick.
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Edition 1997 – Muda Mathis
Muda Mathis wurde 1959 in Zürich geboren. Sie lebt und arbeitet in Basel und im Elsass. An den Vorkurs der Schule für Gestaltung in St. Gallen schloss sie ein Praktikum als Bildhauerin an sowie den Besuch der School of Dance von Sigurd Leeder. Von 1978 bis 1980 absolvierte Muda Mathis die F + F Schule für Gestaltung in Zürich. Später besuchte sie die Klasse für Audiovisuelle Gestaltung an der Basler Schule für Gestaltung.

Seit 1980 entfaltet Muda Mathis ein breit gefächertes künstlerisches Schaffen, das von Musik und Performances - sie ist Mitglied der Musikperformancegruppe; Les Reines Prochaines» – über Installationen bis zur Audio-, Film- und Videokunst reicht – sie ist Mitbegründerin der Basler «VIA» (AudioVideoKunst) –, mit Ausstellungen, Auftritten, Konzerten, Tourneen und Festivalteilnahmen im In- und Ausland.

Video ist eine der bevorzugten Äusserungsformen von Muda Mathis, denn «Video ist ein elegantes und praktisches Medium». Alles findet darin Platz: alle Dimensionen, Farben, Töne, Bewegungen, sogar Zeit, das ist genial.» Für die «Multimediamanin», als die sie sich bezeichnet, ist Video «ein Konzentrat, es ist klein und fein wie Zuckerbäckerei – eine Praline».

Über ihr Vorgehen bei der Herstellung eines Videowerks sagt sie: «Die Kamera ist ein Staubsauger, oder schöner gesagt ein Bildsauger. Das ist so: Ich entscheide, wo und in welchem Raum ich eine bestimmte Aufnahme machen will. Sobald ich den Befehl erteile, saugt sie erbarmungslos alles auf. Bei den Aufnahmen schaue ich oft nicht durch die Kamera. Ich bewege mich, und die Kamera zeichnet die Bilder aus meinen Bewegungen heraus auf. Ich traue meinem wachenden, wählenden Auge nicht, es sieht zu akademisch. Es geht darum, neue Bilder zu finden.»

So ist auch «You have still your body, you have still your mind» dieser Edition entstanden: Muda Mathis selbst sowie ihre «VIA» -Kollegin Sus Zwick haben sich – umgeben von Objekten des täglichen Lebens – vor der sich bewegenden Kamera inszeniert. Aus der resultierenden Videosequenz hat die Künstlerin anschliessend zwei Bilder ausgekoppelt und nebeneinander gefügt. Dabei verleiht das angewendete innovative Kopier- und Präsentationsverfahren den «eingefrorenen» Bildern eine spezielle Dreidimensionalität und bringt den «Drive» der ursprünglichen Bewegtbilder in raffinierter Weise zur Geltung.

Vieles im Schaffen von Muda Mathis ist – neben dem tieferen Sinn, der sich oft erst nach und nach herauslesen lässt – von augenzwinkerndem Schalk begleitet, denn für sie gilt: «Lachen ist ein Möglichkeit des Überlebens».
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www.reinesprochaines.ch
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Edition 1998 – Ina Barfuss
Ina Barfuss kam 1949 im norddeutschen Lüneburg zur Welt. Sie lebt und arbeitet heute in der Nähe von Berlin, in Bölzke (Brandenburg). Aufgewachsen in Bremen, studierte sie nach dem Abitur an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Seit 1974 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig und konnte ihre Werke schon in verschiedenen Galerien und Ausstellungen zeigen, darunter in Berlin, Dortmund, Hamburg, Köln, London, Mailand, München, New York, Paris, St. Petersburg, Sao Paolo, Tokio, Wien, Zürich.

In ihren Bildern verwendet Ina Barfuss ein eigenwilliges Repertoire von bestimmten Figuren – Chiffren –, die in Variationen wiederkehren. Sie geben einem menschlichen Grundbedürfnis Ausdruck und zugleich auch dessen Zwiespaltigkeit: Nähe – Distanz, Wünsche – Ängste, Kraft – Schwäche, Fröhlichkeit – Schmerz.

Ein Bild von Ina Barfuss widerspiegelt einen komplexen, sowohl emotionalen wie rationalen Prozess, dem die Künstlerin während der Bildgestaltung ausgesetzt war. Es geht ihr also nicht darum, ein Bildsujet zu finden, um damit ein zuvor festgelegtes Thema zu illustrieren. Vielmehr setzt sie Farben und Linien zunächst spontan ins Bild, um einen Ausgangspunkt zu finden, von dem aus sich die Darstellung prozesshaft weiterentwickeln kann. Diese Erweiterungen führen meist zu einer barfussschen Figur und einer dazu passenden Szenerie, wobei deren Geschichte allerdings so vielschichtig bleibt, dass sich für die Betrachter alles andere als eine eindeutige Bilderzählung ableiten lässt.

«Die Betrachter meiner Bilder sind gefordert», sagt Ina Barfuss dazu, «das Bild in ihrem Kopf fertigzustellen». Dabei sollen sie ihre eigenen Geschichten einbringen, ihre Assoziationen, ihre Gefühle. «So werden die Betrachter praktisch zum Medium», dem das Bild die Auslöser liefert.

Der Holzschnitt «Zeitreise» hat mit jedem einzelnen Bogen der Gesamtauflage einen in Farbe und Helligkeit anderen Hintergrund. Vor dem Druck wurde nämlich jeder Bogen des Büttenpapiers von Ina Barfuss in Gouachetechnik entsprechend bearbeitet. Dadurch ist nicht nur jedes Bild zum Unikat geworden, sondern die scheinbar gleiche Barfuss-Figur variiert unerwartet unterschiedlich auf dem wechselnden Hintergrund.

Die Figur der «Zeitreise» ist übrigens mit einem starken Energiefeld für die Reise ins Ungewisse gewappnet, das Denken wird zum Fühlen – und umgekehrt. Wohin steuert das Schiff?
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Edition 1999 – Alfonso Hüppi
Der Künstler Alfonso Hüppi, geboren 1935, hat sich in Luzern zum Silberschmied ausbilden lassen, in Pforzheim erlernte er die Bildhauerei, in Hamburg die Kalligraphie. Von 1961 bis 1964 ist er als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg tätig gewesen, danach bis 1968 als Mitarbeiter der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Seit 1974 unterrichtet Alfonso Hüppi als Professor an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Aus der «Hüppi-Klasse» sind viele schon heute international anerkannte Künstler hervorgegangen. Sein vielfältiges Werk wurde, unter anderem auch in der Schweiz, in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. 1998 gründete Hüppi mit Erwin Gebert «ETANENO» das Museum im Busch, das im Mai 1999 in Namibia eröffnet wurde.

Otto Jägersberg
Der Schriftsteller Otto Jägersberg, geboren 1942, arbeitete nach seiner kaufmännischen Lehre in verschiedenen renommierten Buchhandlungen in Berlin, Zürich und Stierstadt. Daneben hat er als Dramaturg und Journalist gewirkt und Happenings inszeniert. Mit seinem ersten Roman, «Weihrauch und Pumpernickel» (Diogenes-Verlag), heimste der damals 22jährige viel Lob von Schriftstellerkollegen ein; das Buch wurde zu einem der grössten deutschsprachigen Bestseller. Weitere Bücher, Erzählungen und Radioarbeiten folgten. Ein Millionenpublikum hat die zwölfteilige Fernsehserie «Die Pawlaks» erreicht, für die Otto Jägersberg das Drebuch geschrieben hatte.

«Die letzte Reise»
Mit seinen StudentInnen macht Alfonso Hüppi regelmässig Kunstreisen. Früher führten diese nach traditioneller Art zu Schauplätzen und in Museen von Paris, Florenz und anderen Metropolen. Später weiteten sie sich nach Tunesien aus, in den Iran oder in die Türkei. Diesmal hat die Reise nach Armenien geführt, einem aus eurozentrischer Sicht peripher gelegenen Land, das obendrein 1988 von einem vernichtenden Erdbeben heimgesucht worden ist.
Aber schon die Jahrzehnte davor haben die Armenier schwer gelitten: zuerst unter der barbarischen Herrschaft und dem Landraub der Türken (1915), Restarmenien danach unter der Vernachlässigung im Sowjetreich.
Unter den Narben all dieser Ereignisse verbirgt sich jedoch eine grossartige armenische Kultur mit dem mythische Berg Ararat als geistigem Zentrum (heute auf türkischem Staatsgebiet). Seit der Trennung von der Kirche Roms ums Jahr 500 hat sich die christlich-armenische Gesellschaft in einer ganz eigenständigen Weise entwickelt, die sich nicht nur an den klassischen Bauwerken ablesen lässt, sondern die auch spürbar wird im Umgang mit den armenischen Menschen. «Die letzte Reise» ist eine Annäherung und eine Hommage zugleich an den Reichtum dieses heute so armen Landes.

Die im Impressum des Portfolio aufgeführte «Ampere-Gesellschaft» ist eine Aktionsgemeinschaft von Otto Jägersberg und Alfonso Hüppi.
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Edition 2001 – Clarina Bezzola
Von «Dada» bis «Hallo-Du-Da»

Die Arbeiten von Clarina Bezzola sind fesselnd. In allen Bedeutungen des Wortes:
sie ziehen den Blick irritiert auf die seltsamen Formen, die merkwürdigen Material-Kompositionen; sie lassen die Empfindungen kreisen, nach Verwandtem oder schon Erlebtem suchen – vergeblich meistens, in den ersten Momenten.
Denn im ersten Moment lauert das Lachen des überrumpelten Betrachters. «Das kann doch nicht dein Ernst sein», sagen wir, wenn wir etwas Unglaubliches zu hören bekommen. Und dabei schwingt mit: «Hoffentlich ist es nicht ernst, sonst wäre es bedrohlich». Clarina Bezzola konfrontiert uns mit Objekten, die von einer nahezu sarkastisch direkten Ehrlichkeit und Offenheit sind. So schonungslos, dass es einem jene Regionen zuschnürt, die wir so gerne mit Nettigkeit, mit Selbstgefälligkeit, mit Ironie bis zum Zynismus zu schützen versuchen.
Die in Aeugst a.A., einem Dorf bei Zürich, aufgewachsene Clarina Bezzola zog es bereits mit 20 Jahren nach New York, um Kunst zu studieren. Die Nähe zum Dadaismus – der ja in Zürich seinen Geburtsort hatte – ist ihr ein Stück weit geblieben. Auch ihre Werke haben zunächst einmal diesen spielerischen Nonsens-Aspekt. Doch sehr schnell bricht der versteckte, ungeschminkte Humor hervor, der grimmige Wahrheiten erzählt; wie vor Jahrhunderten der Hofnarr in feiner Gesellschaft.
Die Präzision und handwerkliche Qualität, die ihren Arbeiten eigen ist, zeigt sich auch in den «Konnektor-Suits», die von der Heads Corporate Communication AG BSW als Edition 2001 in Auftrag gegeben wurde. Dieses Objekt stellt innerhalb der langjährigen Editions-Tradition der Agentur einen Wendepunkt dar.
Es ist nicht nur ein Bild zum Aufhängen, eine Skulptur zum Aufstellen, es ist auch zum Anziehen. Es verlangt nach weiteren «Mitspielern», nach einem «Hallo-Du-Da», nach Verbindungen, nach «Konnektoren». Und in diesem Sinne ist es ein Symbol, sich immer wieder Neuem auszusetzen und es zu wagen, auch einmal die verletzliche, fleischfarbene Seite nach aussen zu kehren…


Beklemmungen und Bestrebungen von Clarina Bezzola

Das Definieren, das Kategorisieren und das Benennen von Dingen und Ereignissen vermittelt uns ein Gefühl von Sinn, Sicherheit und Kontrolle. Indem wir Etiketten anhängen, versuchen wir, unsere Umwelt in den Griff zu bekommen und uns ein Netz von komplizierten sozialen Beziehungen zu knüpfen und zu erhalten. In meiner Arbeit hinterfrage ich diese Idee von soliden, schutzbringenden Strukturen. Ich ergründe das Dahinterliegende: unsere Ur-Angst vor dem Verletztwerden.
Meine Objekte erzählen Geschichten über Einschränkungen und Isolation. Eine Isolation, die paradox ist. Weil wir unsere Gefühle in einem erschreckenden Masse abwürgen, und fälschlicherweise meinen, wir könnten so unser Leben konservieren und schützen.
Ich rede von Verwundbarkeit und dem Aus- bzw. Eingeschlossensein. Klar definierte Strukturen schützen und unterstützen, aber sie beengen auch die Körper, die darin festgehalten werden.
In einigen Arbeiten habe ich Formen, die einer Frauenbrust ähneln, mit einem vordergründig gemütlichen, heimeligen Blumenmuster überzogen, um das Erstickende noch stärker aufzuzeigen. Andere Objekte lassen sich wie ein scheinbar bequemes Kleidungsstück anziehen, zwängen den Körper aber so ein, dass ihm nur eine sklavische, unterwürfige Haltung möglich bleibt.
Im Laufe der Jahre habe ich die verschiedensten Arten entdeckt, wie wir Schutzschilde und Mauern um uns aufbauen. In meinem frühen Schaffen, während dem ich vorwiegend mit Metall arbeitete, drückte ich mit «amourösen» Gebilden hauptsächlich das physische Gebunden- und Beschränktsein aus.
Seit kurzem habe ich jedoch die Möglichkeit entdeckt, wie sich die Gefühle der einschnürenden Sicherheit auf einer mehr metaphorischen, übertragenen Ebene aufzeigen lassen.
Die kalten, starren Metallstrukturen haben sich gewandelt und prallen in einem widersprüchlichen Dialog zusammen mit «heimeligen» Materialien; Textilien mit wilden Blumenmustern, wie sie zum Beispiel von biederen Haushaltsschürzen stammen. Den unmissverständlich sarkastischen Unterton, der im Kontrast der Materialien und Formen mitschwingt, möchte ich in der weiteren Auseinandersetzung meines Themas – eben diesem Paradox von «Geborgenheit» und «Beklommenheit» – noch verstärken.
Auf der Suche nach anderen Künstlern, welche ähnliche Gefühle von Beklommenheit in eigenen Metaphern übersetzten, bin ich auf eine Reihe von deutschsprachigen Schriftstellern gestossen; so zum Beispiel Franz Kafka, Thomas Bernhard oder Robert Walser. Sie inspirieren mich durch ihre Art, wie sie hoffnungslos verzweifelte Situationen in groteskem Sarkasmus zu formulieren vermögen.


Zitate aus Robert Walser: «Geschwister Tanner»

«…Ich bewundere Ihren Witz, Sie!» Aber der Witzige lehnte die dumme …
… Bewunderung mit gut gespielter Verwunderung ab,und das war …
… ein wirklicher Witz, der jeden Gebildeten hätte freuen können … –
« …davor behüten, gegen sich selber so allzu streng vorzugehen ….
…Wissen Sie, was Ihnen fehlt? Sie müssen es eine Zeitlang ein bisschen …
… wieder gut haben... Sie werden sonst zu zart. Ich will Sie lehren …;
…Kommen Sie. Wir gehen hinaus in die Winternacht. In den brausenden …
… Wald. Ich muss Ihnen so viel sagen. Wissen Sie,dass ich Ihre arme …,
… glückliche Gefangene bin?? Kein Wort mehr,… Kommen Sie nur..» —
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www.clarinabezzola.com
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Edition 2002/03 – Jean Odermatt
Headwaters

Hoch oben, zwischen 2000 und 3000 Metern Höhe, im Gestein des Gotthardmassivs, teilen sich die Wasser. In vier Himmelsrichtungen fliessen sie. Nach Osten hin, bevor die weiten Kehren kommen, bewegen sich die Wasser des Rheins. Westwärts nimmt die Rhone ihren Lauf. Die Reuss gräbt ihre Bahn nach Norden. Der Fluss zum Süden wird zum Ticino. Der Gotthard bleibt zentraler Fixpunkt, ein Scheideweg auch, ein Territorium für Ahnungen, Spuren, Fährten; und für jede Art der Wahrnehmung.


Jean Odermatt über Headwaters

«Wasser ist ein abstraktes und gleichzeitig ein konkretes Medium. Man muss es verorten. Doch die Welt ist allenorten schon erfahren und vermessen, es gibt nichts mehr zu entdecken. Es sei denn, man geht zurück an die Quellen, man geht in die Tiefe, in Bereiche auch der Alchemie.

Bei «Headwaters» sind die Ebenen durchlässig: das einfache, flache, fast zufällige Bild- und Textmaterial der Tafel und der Acrylglasplatten bildet den Einstieg. Zwei Millimeter nur beträgt die Tiefe zwischen der glatten Oberfläche und dem Dahinterliegenden. Doch der Betrachter muss real zum Begeher werden und wird dann selbst zum Teil des Werkes. Er geht durch das Bild, sieht vor Ort die fotografierte Natur, erlebt sie anders und beginnt eine Reise in die Innenwelt. Seine eigene und in die des Gotthardgesteins…

Und das, was als Zeichen bleibt, die Stahltafel, das Acryl, das Papier: es verändert sich. In seinem Bedeutungsinhalt und in seiner Form. Rost wird sich ansetzen, die Fotos können verbleichen, das Acryl vielleicht gelblich werden… Und gleichzeitig wird viel Wasser vom Gotthard fliessen. In alle Himmelsrichtungen.»


Das Projekt Headwaters

«Headwaters» von Jean Odermatt ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser und Gotthard. Es erstreckte sich über einen zeitlichen Prozess zwischen Januar und September 2002 und läuft auf anderen Ebenen weiter, wie das
Wasser vom Gotthard…

1 Stahlplatte, 665 x 1000 mm, Siebdruck mit arabischen Ziffern und deren Zahlworten von 1 bis 9 sowie Markierungen
8 Acrylglasscheiben mit Ectachrom-Fotos «Wasserwege», je 181 x 125 x 2 mm
8 Acrylglasscheiben weiss mit schwarzen Texten, je 181 x 125 x 2 mm
1 Acrylglasscheibe mit Ectachrom-Foto «Begehung», 587 x 375 x 2 mm
1 Katalog Jean Odermatt, «Das Gotthardprojekt», Altdorf 1999

Auflage
81 Exemplare, nummeriert und handsigniert
5 Epreuves d'Artiste

Szenografie auf dem Gotthard mit den Empfängern der Foto/Bild-Assemblage



Zeitliche Abfolge

Ab Ende Januar 2002
Übergabe 1 Stahlplatte und 4 Acrylglasscheiben:
2 Acrylglasscheiben (Igin / 1)
2 Acrylglasscheiben (Andras / 2)
1 Katalog Jean Odermatt «Das Gotthardprojekt», Altdorf 1999

Mai 2002
Versand von 2 Acrylglasscheiben (Ormis / 3)
Versand von 2 Acrylglasscheiben (Arbas / 4)

Juli 2002
Versand von 2 Acrylglasscheiben (Quimas / 5)
Versand von 2 Acrylglasscheiben (Caltis / 6)

7. September 2002
Szenografische Begehung mit Jean Odermatt
im Gotthard-Quellgebiet mit den Empfängern der Foto/Bild-Assemblage

Mitte September 2002
Versand von 2 Acrylglasscheiben (Zenis / 7)
Versand von 2 Acrylglasscheiben (Temenias / 8)

Anfang Oktober 2002
Versand von 1 Acrylglasscheibe «Begehung
7. September 2002»
1 Begleitbooklet «Edition Heads 2002»



Jean Odermatt

Künstler und Soziologe. Geboren 1948 in Luzern. Studium der Kunstgeschichte, Deutsche und Französische Literatur.

Der Gotthard und Jean Odermatt

Seit mehr als zwanzig Jahren ist der Gotthard für Jean Odermatt ein Territorium seines Lebens, Denkens und Schaffens. Fotoserien von verschiedenen Standorten erbrachten über die Jahre nahezu eine viertel Million Bilder.

Bücher mit Druckgrafiken, Texten und Gedichten entstanden. Eine Bibliothek wächst, rankt sich daraus und darum herum.


Seit 1990 entstehen unter dem Begriff „Szenografie“ Inszenierungen im Gelände: Szenen, Musik, Feuerwerk – ein Spiel mit den Elementen und den Gegebenheiten des Territoriums.

Eine weitere Ebene ist die 1994 begonnene «La Prima Linea». Eine 130 km direkte Verbindung zwischen dem Gotthard-Hospiz und dem Mailänder Dom. Mit «La Prima Linea» werden dereinst 130 Bleiplatten im Abstand von 1 Kilometer in den Boden versenkt sein. Gleichzeitig werden 130 Bohrkerne von den jeweiligen Stellen entnommen sein.

«La Claustra» ist ein viertes Gotthard-Projekt von Jean Odermatt. Ein Teil der ehemaligen Gotthard-Festungen der Schweizer Armee wird hier zu einem Zentrum für Wissenschaft, Kunst, Erfahrung und Begegnung. Seit Frühling 2002 ist «La Claustra» benutzbar und wächst weiter. Unterirdisch, felsumgeben, eine steinerne Gebärmutter…
zur Gallery...
www.laclaustra.ch
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Edition 2004 – Yves Netzhammer
Sprachlos mit dem AlphabeTier
Yves Netzhammer wurde 1970 in Schaffhausen (Schweiz) geboren. Lehre als Hochbauzeichner in Schaffhausen. Absolviert die Gestalterische Berufsmatur in Zürich. Anschliessend besucht er die Weiterbildungsklasse für visuelle Gestaltung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Yves Netzhammer sucht nach Worten, nicht hilflos, nicht verzweifelt, sondern in der Gewissheit, dass die richtigen Begriffe eintreffen werden. Oder er verharrt in einer gelassenen Ungewissheit, weil es die richtigen Worte nicht gibt.

«Wenn die Art der Zeichenhaftigkeit nicht genügt, dann stellt sich die Frage, ob die richtige Sprachform gewählt wurde.»

Von seiner Gestik wie von seiner ganzen Haltung geht eine Aura von Wachsamkeit und Konzentration aus, die um jegliche Verletzlichkeit weiss. Ein Strich zu viel in einer Zeichnung kann tödlich sein.

Auf dem Tisch zwischen uns das Objekt: Klein, ergeben, unschuldig. Es ruft nach Berührung, ruft nach Teilnahme. Es wird eine andere Geschichte erzählen, je nach dem, wo es liegt: auf einem gläsernen Schreibtisch neben dem goldenen Stift, auf dem Buchregal neben Rainer Maria Rilke, auf einem Küchentisch neben dem Rüstmesser…

«Jedesmal, wenn ich eine neue Arbeit anfange, weiss ich nicht, auf was ich mich verlassen kann. Welche Art von Qualität lässt sich überhaupt zeigen?»

Wir sprechen über das Material, die Herstellung, die Verpackung. Kleine Probleme, die mit minimalen Anpassungen zu lösen waren. Yves Netzhammer äussert sich über die Atmosphäre in der St. Galler Kunstgiesserei, wo normalerweise grosse, raumgreifende und schwergewichtige Objekte am Entstehen sind. Und darin das Tier in seiner Winzigkeit. Er lobt die Arbeitsweise und den Einsatz der Beteiligten. Wieder ruht mein Blick auf dem Objekt. Warum nur kommt mir die Migros jetzt in den Sinn? Das orangerote «b-p-d-q» kann es doch nicht sein? Verfügbarkeit? Das «Einfach-Mitnehmen-Können»?

«Man muss den Ernst so ernst nehmen, dass er aushaltbar wird.»

Zum ersten Mal getraue ich mich, das Objekt zu berühren. Ich bin ein Kind und ein Wissenschaftler: Eine neue Spezies ist entdeckt, muss vermessen, klassifiziert, verglichen und beschrieben werden. Es bleibt die Sprachlosigkeit. Das Tier ist aus sich selbst heraus genug. Es erträgt sich einfach. Oder trägt es im nächsten Moment, nach langer Rast, den Buchstaben hinaus in die Welt?

«Das Ende einer Geschichte ist ein komischer Ort. In vielen Dingen, wo es ums Nachfragen geht, kann man keinen Schlusspunkt setzen.»

Jetzt weiss ich es wieder – Migros – Duttweiler – wie sagte er ungefähr: «Die Idee ist das Grosse, wer sie verliert, ist verloren. Das Kapital ist nur eine Hobelbank, ein Hilfsmittel. Mit Kapital aber hat man noch nie eine Idee geschaffen.» Nicht gerade ein idealer Schlusspunkt. Aber jederzeit ein guter Anfang.


Das Fleisch der Flöte

1
Wir leben in Fort Main, der letzten Bastion in der Wüste. Alle anderen Forts wurden abgebaut, alle Truppen hier konzentriert. Die Verschwendungswut des Militärapparats zieht uns nach Main: Uns Juristinnen und Journalisten. Uns Programmiererinnen und Prostituierte. Uns Kameltreiber und Künstler. Dank uns kennt Main keine Nacht. Dank uns herrscht ununterbrochen Markt und Tag. Dank uns ist nichts undenkbar in Main. Zwanzig Fernsehsender berichten ausschliesslich von hier. Zu Hause im Mutterland erzielen sie die höchsten Einschaltquoten. Denn unser Glanz und Elend sind unübertroffen: «In Main leben sie wie Schweine und kämpfen für unsere Sitten.»

2
Der dauernde Krieg reibt uns auf, aber niemand in Main überlebt ohne ihn. Deshalb darf er nie enden, und wir tragen ihn in die kleinsten Ecken des Alltags. Aus Angst, dass der äussere Feind nicht genügt, und er genügt längst nicht mehr, höhlen wir uns aus und züchten den inneren.

3
Vor sieben Jahren, kurz nach der Gründung von Fort Main, ging ein Gerücht um. TV 1 sprach von einem Feind, der mit Schall Soldaten in Trance versetze. Sie nannten ihn «S, den Spion», in Anlehnung an «M, den Mörder» aus Fritz Langs Film. In ununterbrochenen Spots forderte der Sender ganz Main auf, S zu jagen. Der Fall bedrohe nicht allein das Militär, sondern die gesamte zivilisierte Welt, alles schützenswerte Private. Wir wurden aufgefordert, mit einem Cäsium-Marker in die DNS des potentiellen Spions ein radioaktives S einzuschreiben, an dem er in Röntgenscannern kenntlich wäre. «Tötet ihn nicht. Wir folgen ihm zu seinem Auftraggeber.» Die Cäsium-Marker spendeten die zwanzig Medienkonzerne aus Mutterland. Heute ist Main voller Markern und voller Ratschläge zu ihrer Handhabung. Ich fürchte, dass wir uns wechselseitig kennzeichnen. Ich stelle mir vor, wie eine ununterbrochene, radioaktive Schlangenlinie die Menschen von Main durchläuft.

4
Der Spion ist seit sieben Jahren nicht gefasst. Heute behauptet die Sage von Main, der Spion hypnotisiere Flugabwehrsysteme, Fabrikanlagen und Fussballspiele nur mit einer Flöte. Als hypnotisiere er eine Klapperschlange. Dabei weiss jedes Kind, dass nicht die Töne der Flöte, sondern ihre pendelnden Bewegungen die Schlange zähmen. Ich sage daher, S ist ein Virus, ein glänzendes Nichts. S ist eine Struktur, die sich fremde Zellen zu eigene Zellen macht. Denn gesichert ist einzig, dass Mensch und Maschine unter S’ Einfluss vergessen, was sie bearbeitet hatten. Sie brennen aus, als seien sie um sieben Jahre gealtert, ohne diese sieben Jahre verarbeitet zu haben. Sie wissen nicht mehr, dass sie in Main sind. Wie viele militärische Geheimnisse auf diesem Weg gestohlen wurden, ist nicht abzuschätzen, von den unbenennbaren Geheimnissen zu schweigen.

5
Eines Abends liegt auf meinem Arbeitstisch eine Stahlrohrflöte, neben ihr eine Karte, mit der Aufschrift «Schönen 27. Geburtstag.». Die Flöte hat die 27 Löcher des Alphabets und ist ein ironisches Geschenk meiner Studentinnen und Studenten. Denn meine Studentinnen und Studenten wissen, wie wenig ich von Sagen halte. Nicht umsonst baue ich in Main den Lehrstuhl für Sozial- und Sexualforschung auf – in der Kriegsstadt der Massenhysterie. Ich lache. Ich, der jüngste Professor der südlichen Hemisphäre, setze das Instrument an und «spiele S». Seither ist alles, was ich beschreibe, zweifelhaft.

6
Ein Miauen: Mit nie verspürter Gier sauge ich es mit Luft in die Flöte. Meine Atemzüge greifen die Schallwelle der Katze, wie die Armzüge des Bergsteigers das Seil. Aber draussen auf dem Balkon, direkt über der Katze, verliert sich das Schallwellenseil, die Katze bleicht aus und verschwindet. Das Summen einer Klimaanlage reisst mich weiter, ich falle über das Geländer in den Hof, renne in den Supermarkt und verzehre die Monotonie der Maschine. Ich stolpere in Bordelle und ziehe den Soldaten die Lustschreie aus dem Hals. An ihrem Brummen zerre ich Autos und Lastwagen zu mir heran. Jeglicher Verkehr von Main läuft durch die Flöte in mir zusammen. Meine Finger bewegen sich rasend. Nie geübte Grifffolgen entziffern die Geräusche und verstauen sie in meinen Lungenflügeln, in den Höhlen, Verästelungen und Kapillaren meines Fleisches. Ich verbreite Totenstille im ganzen Fort. Das Gelände mit den stationierten Hundertschaften und uns, den unzähligen Parasiten, verstummt. Verschwindet. Ich falle und erstarre, verlassen, in der Nacht der Wüste.

7
In meinen Fasern lagern sieben Jahre einer mörderischen, schönen Stadt: Fort Main heisst die Musik, die in meinem Fleisch, in meinen Körperwindungen gespeichert ist. Eine Flöte mit siebenundzwanzig Löchern wird diese Musik aus meinen Bewegungen entwickeln. Sie wird Main aus mir herausspielen, den Wüstenkrieg mit seinen Geheimnissen. Solange das nicht geschieht, hinterlasse ich als Spur eine endlose Kette von S im Sand. Einfältige Menschen, die diese Spur lesen, werden denken, ich verkörpere die dumpfe Wiederholung eines einzigen Zeichens. Aber einmal wird jemand lesen, dass ich S bin, das Fleisch der Flöte, das Geheimnis von Main.



Tim Zulauf

Tim Zulauf wurde 1973 geboren. Nach einem Studium in Bildender Kunst an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich erarbeitete er Kunstprojekte, unter anderem zusammen mit Yves Netzhammer und Zuzana Ponicanova, und war als freier Kunstjournalist tätig. Mit «Die Stelle im Park» führte er am Festival Hope & Glory 2002 eine erste Theaterproduktion im Theater Neumarkt auf. «Migrantenstadl», die zweite Produktion, gelangte 2003 im Fabriktheater Zürich zur Uraufführung und wurde 2004 zum Festival Impulse in Nordrheinwestfalen eingeladen. Tim Zulauf arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich (HGKZ) im Feld von Kunst und Öffentlichkeit.
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www.galerie-beckers.de
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